ETF oder Immobilien – diese Frage beschäftigt jeden Anleger. Die ehrliche Antwort: Es kommt auf den Einzelfall an. Dieser Vergleich zeigt, was historische Daten sagen, wo die Stärken jeder Anlage liegen und welche Kombination für die meisten Anleger sinnvoll ist.

Historische Renditen: Was sagen die Zahlen?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Durchschnittliche Nettomietrendite DE: 3,2 % (2026) (Stand: April 2026)
  • Gute Rendite ab: 4,0 % netto (Stand: April 2026)
  • Kaufpreisfaktor Deutschland-Ø: 23,4x (Stand: April 2026)
  • Leerstandsquote bundesweit: 2,8 % (Stand: April 2026)
  • Inflationsschutz: Immobilien langfristig +1,5 % real p.a. (Stand: April 2026)
ETF vs. Immobilien: Welche Anlage bringt mehr?
AnlageHistorische Rendite p.a.Zeitraum
MSCI World ETFca. 7–9 % (nominal)1970–2025
S&P 500 ETFca. 10 % (nominal)1957–2025
Deutsche Wohnimmobilien (Preisrendite)ca. 3–5 % p.a.2000–2025
Deutsche Immobilien (Gesamtrendite inkl. Miete)ca. 6–8 % p.a.2000–2025
Immobilien mit Leverage (80 % Kredit)ca. 10–15 % EigenkapitalrenditeTypisches Szenario

Wichtig: Die Immobilienrendite mit Leverage (Fremdfinanzierung) übertrifft ETFs häufig – aber mit deutlich höherem Risiko und Klumpenrisiko.

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ETF vs. Immobilien: Welche Anlage bringt mehr?
Praxis-Tipp

Rechnen Sie immer mit der Nettorendite, nicht mit der Bruttomietrendite. Die tatsächlichen Kosten (Verwaltung ca. 5 %, Instandhaltung 1 €/m²/Monat, Leerstand 3 %) fressen 1–2 Prozentpunkte. Wer nur die Bruttorendite betrachtet, kauft oft schlechter als gedacht.

Szenario A: ETF-Sparplan

  • Einmalinvestition: 50.000 €
  • Rendite: 7 % p.a. (MSCI World)
  • Nach 25 Jahren: ca. 271.000 €
  • Aufwand: minimal
  • Liquidität: hoch

Szenario B: Eigentumswohnung (250.000 € Kaufpreis, 50.000 € EK)

  • Eigenkapital: 50.000 €
  • Kredit: 200.000 € (3,8 %, 2 % Tilgung)
  • Monatliche Rate: 967 €, Miete: 1.050 €
  • Wertsteigerung: 2 % p.a. angenommen
  • Nach 25 Jahren: Objektwert ca. 410.000 €, Restschuld ca. 60.000 €
  • Nettovermögen: ca. 350.000 €
  • Eigenkapitalrendite: ca. 9 % p.a.

Die Immobilie gewinnt durch den Leverage-Effekt – aber nur wenn alles läuft. Leerstand, Instandhaltung, Zinsänderung können das Bild erheblich verschieben.

Stärken von ETFs

ETF vs. Immobilien: Welche Anlage bringt mehr?
  • Diversifikation: MSCI World = 1.400+ Unternehmen aus 23 Ländern
  • Liquidität: Täglich handelbar, kein Makler, keine Notarkosten
  • Niedriger Aufwand: 15 Minuten im Jahr reichen
  • Niedriger Einstieg: Ab 25 €/Monat möglich
  • Transparent: Klare Kosten (TER ca. 0,07–0,2 %)

Stärken von Immobilien

ETF vs. Immobilien: Welche Anlage bringt mehr?
  • Leverage-Effekt: Mit wenig EK großes Kapital steuern
  • Steuervorteile: AfA, Werbungskosten, kein Kapitalertragsteuer auf laufende Miete (nur Progressionssteuersatz)
  • Inflationsschutz: Mieten und Werte steigen tendenziell mit Inflation
  • Greifbar und verständlich: Du siehst und anfasst deine Anlage
  • Fremdfinanzierung: Mieter helfen dir, Kredit abzubezahlen

Die beste Strategie: Kombination beider Anlagen

Die meisten erfolgreichen Privatanleger kombinieren ETFs und Immobilien:

  • ETFs für Liquidität, Diversifikation und langfristigen Vermögensaufbau
  • Immobilien für Leverage, Steuervorteile und passives Einkommen im Alter

Faustregel: Immobilien sollten nicht mehr als 60–70 % des Gesamtvermögens ausmachen – sonst wird das Klumpenrisiko zu hoch.

Fazit

ETF vs. Immobilien: Welche Anlage bringt mehr?

ETF vs. Immobilien ist kein Entweder-oder. ETFs gewinnen in Sachen Einfachheit, Diversifikation und Liquidität. Immobilien gewinnen durch den Leverage-Effekt und Steuervorteile. Wer beide kombiniert und diszipliniert vorgeht, baut nachhaltiges Vermögen auf.

Weiterlesen: Immobilien als Altersvorsorge | Nettorendite berechnen | Blitz-Rendite-Check

Immobilien vs. andere Kapitalanlagen

AnlageformRendite Ø p.a.RisikoLiquidität
Immobilien (vermietet)3–6 % nettomittelsehr gering
ETF-Depot (MSCI World)6–9 % historischmittel-hochsehr hoch
Tagesgeld 2026ca. 2,5 %sehr geringsofort
Festgeld (2 Jahre)ca. 2,8–3,2 %sehr geringgering
REITs (Immobilien-ETF)4–7 %mittelhoch

Die Renditelandschaft in Deutschland hat sich seit 2020 stark verändert. Während Metropolen wie München und Hamburg weiterhin Nettomietrenditen von unter 3 % bieten, erfahren B-Städte wie Leipzig, Nürnberg und Dresden eine Renaissance unter Kapitalanlegern. Der Rückgang der Kaufpreise 2022/23 hat die Einstiegsbedingungen verbessert — wer in dieser Phase gekauft hat, profitiert heute von besseren KPFs. Für 2026 gilt: Rendite-Fokus auf B-Städte mit Bevölkerungswachstum, nicht auf teure Metropolen mit negativem Cashflow.