Zwangsversteigerungen: Günstig Immobilien kaufen — aber mit System

Zwangsversteigerungen locken mit der Möglichkeit, Immobilien 20–40 % unter Marktwert zu kaufen. In der Praxis ist es komplizierter: Ohne Vorbereitung verlierst du entweder das Objekt an besser vorbereitete Bieter — oder gewinnst etwas, das du nicht wolltest. Mit der richtigen Strategie aber kann die Zwangsversteigerung ein attraktiver Kaufkanal für erfahrene Investoren sein.

Wo findest du Zwangsversteigerungstermine?

Auf einen Blick: Aktuelle Zahlen 2026
  • Notarkosten + Grundbuch: ca. 1,5–2,0 % des Kaufpreises (Stand: April 2026)
  • Grunderwerbsteuer: 3,5–6,5 % (je nach Bundesland) (Stand: April 2026)
  • Maklerprovision (geteilt seit 2020): je 1,5–3,57 % (Stand: April 2026)
  • Dauer Grundbuchübertragung: ca. 6–12 Wochen nach Notar (Stand: April 2026)
  • Auflassungsvormerkung: schützt ab Tag des Notartermins (Stand: April 2026)
Zwangsversteigerung: Immobilien günstig kaufen – so geht's

Das einzige offizielle Portal: zvg-portal.de (Bundesweites Zwangsversteigerungs-Portal). Hier sind alle anstehenden Versteigerungen aller deutschen Amtsgerichte gelistet. Filter nach Region, Wertgrenzen und Objekttyp. Vorteil: vollständig, kostenlos, offiziell. Suche ergänzend auch über lokale Amtsgerichts-Aushänge.

Wie läuft eine Zwangsversteigerung ab?

Zwangsversteigerung: Immobilien günstig kaufen – so geht's
Praxis-Tipp

Lassen Sie die Immobilie vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen prüfen (ca. 500–1.000 €). Das ist bei gebrauchten Objekten Pflicht. Typische Baumängel die Gutachter finden: Feuchtigkeit im Keller, Schimmel hinter Verkleidungen, Risse im Fundament. Ein Gutachten kann den Kaufpreis um 10.000–50.000 € senken.

  1. Verkehrswertgutachten besorgen: Jedes Gericht hat ein Sachverständigengutachten erstellt. Dieses kannst du gegen geringe Gebühr einsehen. Pflicht: Lies es vor dem Termin komplett!
  2. Objekt besichtigen (wenn möglich): Du hast kein Recht auf Besichtigung — der Eigentümer muss nicht öffnen. Aber frage trotzdem an. Manchmal ist es möglich. Alternativ: Außenbesichtigung + Nachbarbefragung.
  3. Finanzierung sichern: Du musst 10 % des Verkehrswerts als Sicherheitsleistung sofort bei Zuschlag hinterlegen (Bankbürgschaft oder bar). Gesamtfinanzierung muss vorab gesichert sein.
  4. Am Termin bieten: Bieten beginnt typischerweise bei 50 % des Verkehrswerts. Das Mindestgebot liegt oft bei 5/10 des Verkehrswerts — darunter wird kein Zuschlag erteilt. Du bietest öffentlich, Konkurrenten sehen deine Gebote.
  5. Zuschlag und Folgen: Mit dem Zuschlag übernimmst du sofort Nutzen und Lasten. Keine Rücktrittsmöglichkeit! Eingetragene Grundschulden unter dem Kaufpreis können bestehen bleiben (genau prüfen!).

Typische Risiken bei Zwangsversteigerungen

Zwangsversteigerung: Immobilien günstig kaufen – so geht's

Keine Besichtigung möglich: Du kaufst im Wesentlichen blind. Mängelgewährleistung: Keine. Eingetragene Dienstbarkeiten und Lasten: Können auf dich übergehen. Bewohner räumen nicht freiwillig: Du trägst dann die Räumungskosten.

Empfehlung: Beginne mit Objekten, die du von außen gut beurteilen kannst (einfachere Struktur, gute Lage), und habe immer einen Rechtsanwalt und Bausachverständigen dabei. Für die Renditeberechnung: Bruttorendite-Rechner und Cashflow-Rechner.

Wann ist eine Zwangsversteigerung ein gutes Investment?

Zwangsversteigerung: Immobilien günstig kaufen – so geht's

Die besten Chancen bei Zwangsversteigerungen ergeben sich wenn: Das Gutachten zeigt klare Mängel, die du beheben kannst, anderen Bietern aber abschrecken. Die Lage ist grundsolide, aber das Objekt ist in schlechtem Zustand. Wenige Bieter erscheinen (Tipp: Werktag-Termine unter der Woche haben oft weniger Konkurrenz).

Faustregel: Biete maximal 70 % des Verkehrswerts, wenn du kein umfassendes Gutachten hast. Damit deckst du typische Überraschungskosten ab. Mit diesem Puffer kannst du selbst bei mittleren Mängeln noch profitabel arbeiten. Berechne alle Szenarien mit dem Cashflow-Rechner.

Wichtige Infos für Käufer: Grunderwerbsteuer nach Bundesland | AfA-Abschreibung

Kaufnebenkosten nach Bundesland

BundeslandGrunderwerbsteuerGesamte Nebenkosten Ø
Bayern3,5 %ca. 7–9 %
Sachsen3,5 %ca. 7–9 %
Hamburg4,5 %ca. 8–10 %
Hessen6,0 %ca. 10–12 %
NRW / Brandenburg6,5 %ca. 10–13 %

Der Markt hat sich seit 2022 zugunsten der Käufer verschoben. Preisverhandlungen von 5–15 % sind in vielen Regionen wieder möglich — besonders bei sanierungsbedürftigen Objekten oder länger am Markt stehenden Angeboten. 2026 sind die Chancen für Kapitalanleger besser als seit Jahren: niedrigere Preise als 2021/22, leicht gesunkene Zinsen, und ein strukturelles Wohnungsdefizit das die Mietpreise stützt. Wer jetzt qualitätsbewusst kauft, investiert in ein window of opportunity.