Eine Immobilie hat keinen festen Preis – sie hat einen Marktwert. Dieser wird durch drei anerkannte Bewertungsverfahren ermittelt. Das Wissen hilft beim Kaufen, Verkaufen und bei der Finanzierung.
1. Vergleichswertverfahren
- Transaktionsvolumen Wohnimmobilien DE 2024: ca. 140 Mrd. € (Stand: April 2026)
- Preisrückgang Peak 2022–2023: -10 bis -15 % in Metropolen (Stand: April 2026)
- Erholung 2024–2026: +3–7 % in A/B-Lagen (Stand: April 2026)
- Wohnungsdefizit DE: ca. 700.000 Einheiten (IW Köln 2025) (Stand: April 2026)
- Mietpreissteigerung 2025: +4,8 % bundesweit (Stand: April 2026)

Wann: Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser in gut besiedelten Lagen.
Wie: Der Wert wird aus tatsächlich erzielten Verkaufspreisen ähnlicher Objekte in der gleichen Lage abgeleitet.
- Vergleichsobjekte: Gleiche Lage, ähnliche Größe, Baujahr, Ausstattung
- Anpassungsfaktoren: Etage, Renovierungsstand, Ausrichtung
- Datenquelle: Gutachterausschuss (Kaufpreissammlung)
Vorteil: Am marktnahesten. Nachteil: Funktioniert nur bei ausreichend Vergleichsdaten.
2. Ertragswertverfahren
Vertrauen Sie keinen Immobilienportalen bei Preisangaben blind — Angebotspreise liegen 10–20 % über tatsächlichen Transaktionspreisen. Für echte Kaufpreise: Gutachterausschuss-Berichte der jeweiligen Stadt/Gemeinde anfragen (meist kostenpflichtig, aber präzise) oder Preisberichte vom IVD/LBS nutzen.
Wann: Vermietete Immobilien (Mehrfamilienhäuser, Gewerbe) – überall wo Ertrag im Vordergrund steht.
Wie: Wert = Bodenwert + kapitalisierter Jahresertrag
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Jahreskaltmiete | 24.000 € |
| Abzgl. Bewirtschaftungskosten (15 %) | −3.600 € |
| Reinertrag | 20.400 € |
| Kapitalisierungsfaktor (bei 5 % Liegenschaftszins) | × 18,8 |
| Gebäudeertragswert | 383.520 € |
| + Bodenwert (Grundstück) | 80.000 € |
| = Ertragswert | 463.520 € |
3. Sachwertverfahren

Wann: Selbstgenutztes Eigentum ohne ausreichende Vergleichsdaten (z.B. Einfamilienhaus auf dem Land).
Wie: Wert = Bodenwert + Herstellungskosten des Gebäudes (abzgl. Alterswertminderung)
- Herstellungskosten nach Normalherstellungskosten (NHK 2010)
- Alterswertminderung je nach Baujahr und Zustand
- Sachwertfaktor zur Marktanpassung
Vorteil: Immer anwendbar. Nachteil: Marktentfernt bei sehr stark oder schwach nachgefragten Lagen.
Welches Verfahren ist das "richtige"?
- Wohnimmobilien (gut belegte Lagen): Vergleichswert
- Vermietete Objekte: Ertragswert
- Einfamilienhaus ländlich: Sachwert
- In der Praxis: Kombiniert alle drei zur Plausibilitätsprüfung
Selbst eine erste Bewertung machen
Du kannst eine erste Einschätzung selbst vornehmen:
- Vergleichswert: Kaufpreise ähnlicher Objekte auf Immoportalen prüfen
- Ertragswert: Jahresmiete × Kaufpreisfaktor – unser Kaufpreisfaktor-Rechner hilft
- Bruttorendite als Plausibilitätsprüfung: Bruttorendite-Rechner
Immobilienbewertung in der Praxis anwenden
Theorie ist schön – aber wie setzt man Bewertungsmethoden in der Praxis ein? Wer ein Objekt kaufen will, braucht eine realistische Einschätzung, ob der Kaufpreis fair, zu hoch oder günstig ist. Dafür reicht keine einzelne Methode; man sollte mindestens zwei kombinieren.
Schritt 1: Vergleichswertmethode. Schaue dir alle vergleichbaren Transaktionen in der gleichen Straße oder dem gleichen Viertel der letzten 12 Monate an. Das Gutachterkomitee jedes Bundeslands veröffentlicht Kaufpreissammlungen, die Marktpreise zeigen. Plattformen wie ImmoScout24 oder Immowelt liefern Angebots- (nicht Transaktions-) preise, die 5 bis 15 Prozent über den tatsächlichen Kaufpreisen liegen.
Schritt 2: Ertragswertmethode. Für Kapitalanlagen ist die Mietrendite der zentrale Wertindikator. Multipliziere die jährliche Nettokaltmiete mit dem marktüblichen Kaufpreisfaktor für die Lage – das ergibt den Ertragswert. Liegt der Angebotspreis deutlich darüber, verlangst du eine Prämie für Lage oder Qualität, die sich nicht in Miete niederschlägt.
Schritt 3: Sachwertmethode (bei Einfamilienhäusern). Grundstückswert plus Gebäudewert (Herstellungskosten abzüglich Alterswertminderung). Diesen Wert errechnet der Sachverständige für den Beleihungswert – du kannst ihn als Plausibilitätscheck nutzen. Nutze: Kaufpreisfaktor | Rendite berechnen.
Wichtige Immobilien-Datenquellen im Vergleich
| Quelle | Datentyp | Kosten | Aktualität |
|---|---|---|---|
| Immoscout24 Preistrend | Angebotspreise | kostenlos | monatlich |
| Gutachterausschuss | Transaktionspreise | 50–200 € | halbjährlich |
| BORIS-Karte | Bodenrichtwerte | kostenlos | jährlich |
| IVD Marktbericht | Aggregiert regional | kostenlos (online) | halbjährlich |
| Empirica Preisindex | Kauf+Miete statistisch | kostenlos (Basis) | monatlich |
Der deutsche Immobilienmarkt 2026 ist ein Käufermarkt — aber nur noch kurze Zeit. Die Kombination aus gesunkenen Preisen, leicht fallenden Zinsen und strukturellem Wohnungsdefizit erzeugt ein enges Zeitfenster für attraktive Einstiege. Das IW Köln schätzt das Wohnungsdefizit auf 700.000 Einheiten — dieser Rückstand wird nicht in den nächsten Jahren aufgeholt. Wer strukturiert analysiert und qualitätsbewusst kauft, investiert in einem der stabilsten Sachwerte überhaupt.



